Einstein und Thomas Mann
Eine relative Freundschaft
Einsteins Verbindung zu Thomas Mann war zeitlebens durch eine latente Abneigung geprägt. Und doch trafen sich die beiden in ihrer Haltung zum Nationalsozialismus.
Einstein und Thomas Mann galten bereits zu Lebzeiten als Heroen des Geistes. Einstein als größter Physiker, Mann als größter deutscher Dichter. Über Einstein schrieb Thomas Mann: Die Bekanntschaft mit ihm war alt und wurde während der Jahre, die ich in Princeton verbrachte, zur Freundschaft. Das Wort Freundschaft ist eine Übertreibung. Das erste Treffen mit Einstein 1925 in Berlin nannte Thomas Mann zwar ergreifend, dank seiner Sanftmut, Kindlichkeit, Bescheidenheit, im Grunde hatten sich die beiden Männer jedoch nicht viel zu sagen.
Thomas Mann konnte mit Einsteins Theorien wenig anfangen und umgekehrt empfand der Physiker die Lektüre des Romans Buddenbrooks als Strafarbeit. Es bestand sogar eine gegenseitige Abneigung. Das würdevolle Auftreten und die unentwegte Selbstbespiegelung des
Nobelpreisträgers Mann waren Einstein fremd. Ebenso die fast kindliche Freude, mit der er jeden Beifall und offizielle Ehrungen aufnahm.
Den sensiblen Geist irritierten wiederum die ungepflegte Erscheinung Einsteins und seine unkonventionell-simple Herzlichkeit. Erst 1933 entdeckten die beiden Emigranten im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr gemeinsames Thema. Sie zählten zu den wichtigsten Initiatoren des Friedensnobelpreises für Carl von Ossietzky, der im Konzentrationslager fast zu Tode gequält wurde. So geriet das NS-Regime durch ihre Hilfe unter großen Druck in der Weltöffentlichkeit.
Als Thomas Mann und Einstein ab 1938 in Princeton Nachbarn wurden, sahen sie
mit der Einstein-Zitatmaschine!









